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Geschrieben von: Thomas Levknecht   
Montag, den 20. Februar 2012 um 08:34 Uhr

TV Neuhausen – ThSV Eisenach 33:27 (13:12)

Rot für Tomas Sklenak

Grippegeschwächte Eisenacher bieten dem Tabellen-Zweiten TV Neuhausen lange Zeit Paroli

Adalsteinn Eyjolfsson, der Coach des ThSV Eisenach, schäumte vor Wut, biss sich aufgrund des „HBL-Maulkorberlasses“ während einer Talkrunde mit beiden Trainern  auf die Zähne. Seine grippegeschwächten Schützlinge (Branimir Koloper konnte die Fahrt erst gar nicht antreten)  hatten dem gastgebenden Tabellen-Zweiten TV Neuhausen über weite Strecken erfolgreich Paroli geboten (14:14, 33.), gerieten aber zwischen der 38. und 48. Minute entscheidend in Rückstand, als der TV Neuhausen mit seinem ihm arteigenen Konterspiel vom 18:16 auf 27:20 davonzog, in dieser Phase wie nahezu über die gesamte zweite Halbzeit vom „Wohlwollen“ der Schiedsrichter Thomas Kern/Thorsten Kuschel profitierte. „Höhepunkt“ deren Spielleitung war die rote Karte für Eisenachs Spielgestalter Tomas Sklenak (49.). Neuhausens heranstürmender Alexander Trost war auf die Brust von Tomas Sklenak geprallt. Die schwachen Referees zeigten zur Überraschung der meisten Augenzeugen

dem tschechischen Nationalspieler die rote Karte. „Eine üble Farce“, so die einhellige Auffassung im Eisenacher Lager. Es spricht für die Moral der Wartburgstädter, dass sie diesen Tiefschlag wegsteckten, sich aufbäumten, die Deckung noch einmal umstellten, Philipp Lindner und Alexander Schiffner vor der Abwehr agieren ließen. Auch im Schlussgang erwies sich Nick Heinemann als sicherer Vollstrecker vom Punkt. Der kleine ThSV-Rechtsaußen, von einem grippalen Infekt im Gesicht gekennzeichnet, verwandelte alle sieben seinen Farben zuerkannte Strafwürfe. Wie im gesamten Spielverlauf nutzte der TV Neuhausen auch in dieser Phase jede Unzulänglichkeit, jeden Lapsus der Eisenacher bei Ballbesitz, um zum arteigenen Konterspiel durchzustarten. Am Ende leuchtete auf der kleinen Anzeigetafel in der mit 1.300 Zuschauern gut gefüllten Hofbühlhalle ein 33:27 (13:12) für den Gastgeber auf, der damit den ThSV Eisenach von Platz 1 der Heimtabelle verdrängte und weiter in Richtung Aufstieg in die 1. Handballbundesliga marschiert. (In der Saison 2008/2009 spielte der TV Neuhausen noch in der Regionalliga!) Der TV Neuhausen freute sich zugleich über die Revanche zum erst am 30.Dezember ausgetragenen Hinspiel. Vor wenigen Wochen hatte der ThSV Eisenach in der heimischen Werner-Aßmann-Halle mit 32:30 die Nase vorn.

 

Zehn folgenschwere Minuten

„Etwa 38 Spielminuten haben wir taktisch diszipliniert gespielt. Kritisch sind die ersten zehn Spielminuten zu bewerten, in denen wir gleich fünf hochkarätige Torchancen ausließen. Zwischen der 38. und 48. Minute nutzte der TV Neuhausen konsequent unsere Fehler, kam zudem über die schnelle Mitte zum schnellen Torerfolg. Ganz stark am Kreis der Hausherren Julius Emrich. Für unseren Schlussspurt fehlte uns dann der entscheidende Mann durch eine rote Karte“, bilanzierte Adalsteinn Eyjolfsson, der sich während der über 400-Kilometer-Heimfahrt ob der Schiedsrichterleistung nicht beruhigen konnte. Markus Gaugisch, der Trainer des TV Neuhausen, sah in der 60-minütigen Abwehrleistung seines Teams das entscheidende Pfund für den Spielausgang. „Alle waren zudem über 60 Minuten in Bewegung. Über den Kreis schlossen wir vielfach erfolgreich ab“, zollte ein sichtlich aufgekratzter Markus Gaugisch auch seinem Kreisläufer Julius Emrich ein dickes Lob. Dieser steht dem TV Neuhausen jedoch berufsbedingt vorerst nicht mehr zur Verfügung. Auf der Regieposition ergänzten sich beim TV Neuhausen der erfahrene Aleksandar Stevic (30 Jahre) und der junge Ferdinand Michalik (24) bestens. Der Vertag mit Kapitän Aleksandar Stevic wird seitens des TV Neuhausen allerdings nicht verlängert. Der Ex-Eisenacher Philipp Seitle (jetzt DHfK Leipzig) soll ihn beerben.

Mit kühlem Kopf zum Anschlusstreffer bis zur Halbzeitpause

Die Vorzeichen standen für den ThSV Eisenach nicht günstig, wurde das Team von einer Grippewelle heimgesucht. So fehlte neben dem langzeitverletzten Daniel Luther der das Bett hütende Branimir Koloper. Andere, wie Kapitän Benjamin Trautvetter und Nick Heinemann, sichtlich von einem Grippevirus geschwächt, hielten tapfer durch. Roel Adams übernahm die Koloper-Rolle, löste Benjamin Trautvetter für Abwehraufgaben ab. Nach der (völlig unberechtigten) roten Karte für Tomas Sklenak übernahm der Niederländer auch die Rolle des Regisseurs. Wenig verheißungsvoll dann auch der Start auf dem Parkett. Nick Heinemann, der sich dann enorm steigerte, brachte gleich zwei Bälle aus besten Positionen nicht unter. Roel Adams kassierte nach nicht einmal drei Minuten bereits eine Zeitstrafe. Duje Miljak wuchtete aus dem rechten Rückraum zum ersten Eisenacher Treffer ein (2:1, 6.). Dann scheiterte Adrian Wöhler an TVN-Schlussmann Magnus Becker (10.). Nach Regelwidrigkeit an Benjamin Trautvetter verwandelte Nick Heinemann den fälligen Siebenmeter (4:3, 10.). Dann kaufte ThSV-Keeper Radek Musil Neuhausens Marcel Schiller einen Siebenmeter ab (13.). Duje Miljak und der am Kreis von Außen einlaufende Adrian Wöhler fanden sich mehrfach erfolgreich zum Duett (14,/16./18.). Der ThSV Eisenach blieb auf Tuchfühlung (7:6, 18.). Ein Wechsel auf der Regieposition belebte das Spiel der Hausherren, die gleich drei Mal beim ersten Wurfversuch an Radek Musil scheiterten, doch die jeweiligen Abpraller zum 10:7 (22.) versenkten. Bei Ballbesitz startete der TV Neuhausen geradezu rasant mit bestens abgestimmten Laufwegen in Richtung Eisenacher Kasten (12:8, 24.). Dann versagten die Spielleiter Tomas Skklenak einem Treffer, schickten stattdessen die Neuhäuser Nico Büdel und den meckernden Jeremias Rose auf die Strafbank Nun kochte die Volksseele in der Hofbühlhalle. Die Spieler des TghSV Eisenach, vielfach mit Fiebertemperaturen, behielten kühlen Kopf, trafen durch einen Kaluzinski-Doppelpack zum Anschlusstreffer (13:12) bis zur Halbzeitsirene.

TV Neuhausen kontert Wartburgstädter aus

Hoffnungsvoll stimmte aus Eisenacher Sicht der Auftakt in die zweiten dreißig Minuten. Nick Heinemann (auf Zuspiel von Roel Adams) und Duje Miljak zirkelten das Leder zum 14:14-Gleichstand ins Gastgebergehäuse (33.) Dann scheiterte Adrian Wöhler, fabrizierte Eryk Kaluzinski ein Stürmerfoul. Das war Wasser auf die Mühlen der konterstarken Gastgeber, die zum 17:14 (36.) einnetzten. Alexander Schiffner löste Adrian Wöhler auf der Linksaußenposition ab. Girts Lilienfelds kam phasenweise auf Rechtsaußen. Der starke Neuhäuser Julius Emrich ließ sich, einmal in Ballbesitz, am Kreis einfach nicht stoppen. Tomas Sklenak, der mannschaftsdienlich als Regisseur die Spielfäden knüpfende Eisenacher, besorgte „mit Auge“ Tor Nummer 16 für seine Farben (18:16, 38.). Es begannen die – aus Eisenacher Sicht – zehn verhängnisvollen und spielentscheidenden Minuten mit einer Vielzahl zumindest fragwürdiger Entscheidungen der Schiedsrichter. Beide Teams tauschten für die Schlussviertelstunde ihre Torhüter. Eisenachs Stanislaw Gorobtschuk sah sich in Serie allein auf ihn zustürmender Neuhäuser gegenüber und konnte das Leder nur noch aus dem Tor holen. Einen Ballverlust von Eryk Kakluzinski nutzte Daniel Reusch per Tempogegenstoß zum 27:20 (48.). Der Treffer von Alexander Schiffner (27:21, 49.) konnte nicht die Schlussoffensive einläuten, weil die Spielleiter dieser mit Rot für Tomas Sklenak gleich ein jähes Ende bereiteten (49.). Da half alles Eisenacher Aufbäumen samt einer Deckungsumstellung nichts mehr. Der TV Neuhausen brachte auch im Schlussgang seine arteigenen Stärken zur Geltung und bleibt damit in heimischer Halle weiter ungeschlagen.

Statistik

TV Neuhausen: Becker, Bauer; Thellinger, Emrich (7), Trost (2), Reusch (1), Schiller (9/5), Stevic (2), Michalik (2), Büdel (4), Rose (1), Oesterle (1), Schröder (2), Bader (2)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (2), Sklenak (2), Wöhler (4), Kaluzinski (3), Miljak (4), Adams, Schiffner (2), Heinemann (9/7), Lilienfelds (1), Lindner

Siebenmeter: TV Neuhausen 6/5

ThSV Eisenach: 7/7

Zeitstrafen: TV Neuhausen 4 x 2 Min.

ThSV Eisenach 4 x 2 Min., Rot für Sklenak (49.)

Schiedsrichter: Kern/Kuschel

Zuschauer: 1300

Beste Spieler: TV Neuhausen: Emrich

ThSV Eisenach: Heinemann

Spielfilm: 4:3 (10.), 7:6 (18.), 12:8 (24.), 13:12 (30.). 14:14 (33.), 17:14 (36.), 20:17 (40.), 28:21 (50.), 31:26 (58.), 33:27 (60.)

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