Start Sport Handball ThSV Eisenach – GWD Minden 32:27 (12:9)
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Geschrieben von: Thomas Levknecht   
Sonntag, den 12. Februar 2012 um 13:00 Uhr

Bilder: Fotojournalist Ludger Konopka: konopkafoto.com

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ThSV Eisenach – GWD Minden

ThSV Eisenach entzaubert auch den Ligaprimus 

Wartburgstädter feiern mit nahezu 2.000 Fans 32:27 (12:9)-Erfolg über GWD Minden

Ein Festtag für Handball-Eisenach! Der ThSV Eisenach bezwang den Ligakrösus GWD Minden mit 32:27 (12:9)! Mehrere Minuten vor dem Abpfiff intonierten nahezu 2.000 hellauf begeisterte Anhänger des ThSV Eisenach inbrünstig „Thüringens Nationalhymne“, das Rennsteiglied. Gerade hatte Routinier Eryk Kaluzinski sich das Leder im Bodenkampf erobert und die Fäuste in die Luft gestreckt. Wenig später war Eisenachs Girts Lilienfelds erneut zu schnell für die Abwehr des Ligakrösus, entwischte zum 29:24 (56.) und 30:24 (57.). Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson sprach dann vom Luxus von zwei exzellenten Linkshändern im rechten Rückraum. Zunächst drückte Duje Miljak mit exzellenten Anspielen und fünf Treffern der Partie seinen Stempel auf, dann kam mit Girts Lilienfelds ein ganz anderer Spielertyp, der maßgeblich am Trefferreigen nach dem zwischenzeitlichen 21:21-Gleichstand (46.) zum 31:24 (57.) beteiligt war. GWD Minden, der Tabellenführer und Aufstiegsfavorit, wurde im Schlussgang regelrecht überrollt. „Die in allen Phasen bessere

Mannschaft verbuchte zu Recht den Sieg“, gestand GWD-Trainer Ulf Schiefvert und gebrauchte in der Analyse seiner Mannschaft gleich vier Mal das nicht druckreife Wort „Sch…“ und hatte noch manch sarkastische Anmerkung für den Auftritt seines Teams parat. „Wer dreißig Minuten ohne Abwehr spielt, hat in Eisenach keine Chance auf einen Punkt“, betonte der schwedische Coach des Titelfavoriten. Aus der Generalschelte wollte er nur Christoph Steinert herausnehmen.

 

Abwehrstabilität
Die Wartburgstädter wucherten erneut mit dem Pfund ihrer Abwehrstabilität. Branimir Koloper, Duje Miljak, Eryk Kaluzinski und ihre Nebenleute riegelten hinten ab, stoppten den slowenischen 2,08-Meter-Hünen Nenad Bilbija konsequent. Der Ex-Eisenacher Evars Klesniks hatte frühzeitig sein Pulver verschossen. Aus der Abwehr wurde zu bestens strukturierten Tempogegenstößen angesetzt. Eisenachs Angriffsspiel, von Tomas Sklenak bestens geführt, erwies sich im gesamten Spielverlauf für die Gäste zu schnell und zu variantenreich. Kapitän Benjamin Trautvetter, zumeist nur im Angriff auf dem Parkett, wurde an der Kreismitte mehrfach lehrbuchreif in Szene gesetzt. Nick Heinemann spielte seine Qualitäten beim Tempogegenstoß und auf Linksaußen aus, ließ sich von der rustikalen (auch verbalen!) Gangart seines Gegenspielers nicht beeindrucken und nicht provozieren. Die Gäste wussten sich oftmals nur unsauber und unbeherrscht zu wehren, kassierten folgerichtig mehrere Zeitstrafen und verloren mit Oliver Tesch unmittelbar nach der Pause frühzeitig einen wichtigen Deckungsspieler nach dessen dritter Zeitstrafe (34.). Einige verbale Scharmützel untereinander blieben dem Beobachter nicht verborgen. Den mit Spannung erwarteten Vergleich der Spielmacher Tomas Sklenak (Eisenach) und Dalibor Doder (Minden) entschied der Tscheche in Diensten der Thüringer klar zu seinen Gunsten.„Seine Spielsteuerung war bestens“, betonte Adalsteinn Eyjolfsson. Der Trainer des ThSV Eisenach, strahlte einen Tag nach der Vertragsverlängerung und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Ich bin stolz, für einen solch tollen Verein, für solch fantastische Fans arbeiten zu dürfen.“ Die Eisenacher hatten bereits vor dem Seitenwechsel eine wichtige Weichenstellung vorgenommen, einen Ballverlust in doppelter Überzahl (!) rasch verdaut und  vom 7:8 (21.) zum 12:9 (30.) getroffen. Eryk Kaluzinski schmetterte erneut das Leder praktisch mit der Sirene in die Maschen.
Weichenstellung schon vor der Pause
Im Aufeinandertreffen zwischen der besten Heimmannschaft (Eisenach) und dem Topteam der Liga (Minden) verbuchten die Gäste zunächst mit Ballstafetten zu den Außenpositionen Vorteile (1:3, Svitlica von Rechtsaußen). Evars Klesniks zeigte sich aus dem rechten Rückraum ausgesprochen tatendurstig (3:4, 11.), tauchte aber rasch nahezu völlig unter, nachdem ThSV-Keeper Radek Musil zwei Bälle abgewehrt hatte. Eisenachs Defensive gewann an Stabilität. Duje Miljak trat frühzeitig gegen Goalgetter Nenad Bilbija heraus. Nach vorn drückten die Eisenacher gehörig auf das Tempo und die Gäste fanden keine Mittel, um Eisenachs Angriffsfluss sauber (!) zu stoppen. Benjamin Trautvetter schloss eine der vielen Ballstafetten zum 5:5 (16.) ab. Adrian Wöhler versenkte per Tempogegenstoß zum 6:5 (17.). Die Gäste antworteten zum 6:7 durch ihren 2,08-Mete-Hünen Nenad Bilbija und zum 7:8 (21.) per Schlagwurf des schwedischen Auswahlspielers Dalibor Doder, der sich im ersten Abschnitt mit eigenen Wurfversuchen erstaunlich zurückhielt. Dann tauchte ThSV-Keeper Radek Musil erneut bei einem Klesniks-Ball in die richtige Ecke ab (25.). Dann kassierte der Deckungsinnenblock von GWD Minden (Tesch, Andersson fast zeitgleich eine Zeitstrafe. Doch der ThSV Eisenach fabrizierte zunächst in doppelter Überzahl einen Ballverlust. Im zweiten Anlauf schmetterte Eryk Kaluzinski das Leder zum 9:8 ins GWD-Gehäuse (28.), hob Nick Heinemann das Leder zum 10:8 (29.) ins Ziel und nahm wenig später eine Steilvorlage von Eryk Kaluzinski zielgerichtet zum 11:8 (30.) auf.

Tabellenführer im Schlussgang überfordert
Eine wunderschöne Ballstafette verwertete Benjamin Trauvetter nach Wiederanpfiff zum 13:9 (32.). Der Eisenacher Kapitän verwandelte wenig später von der Strafwurflinie zum 14:11 (34.). Nur Augenblicke später war für Mindens Oliver Tesch die Partie nach der dritten Zeitstrafe beendet. Duje Miljak bediente den am Kreis auftauchenden Tomas Sklenak, der zum 17:15 (40.) vollendete. Schon „frech wie Oscar“, der Siebenmeter-Lupfer von Nick Heinemann zum 19:16 (42.). Doch noch blieb der Tabellenführer dran, vor allem Dank der individuellen Klasse eines Dalibor Doder. Doch der 21:21-Ausgleichstrefer des 32-jährigen GWD-Regisseurs sollte nur eine kurze Momentaufnahme sein. „Charakter“ und „Disziplin“ bescheinigte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson seiner Mannschaft für die folgende Etappe. Seine Schützlinge investierten, durch die stimmgewaltige Kulisse angepeitscht, zugleich eine gehörige Portion Leidenschaft. Wie Nick Heinemann per Tempogegenstoß das Laufduell für sich entschied und das Leder ganz hart bedrängt zum 24:21 (48.) versenkte, das rief den Sonderbeifall der sangesfreudigen Zuschauer hervor. Die Eisenacher schalteten in der Schlussphase noch in einen höheren Gang. Die Gäste waren dazu nicht in der Lage, hatten keine Antwort auf die Leichtfüßigkeit eines Girts Lilienfelds, der im Doppelpack zum 27:23 (51.) traf. Das taktische Mittel einer Pressdeckung gegen Eisenachs Tomas Sklenak erwies sich als völlig untauglich, um Eisenachs Motor auch nur ansatzweise zu bremsen. Der für Radek Musil ins ThSV-Gehäuse gekommene Stanislaw Gorobtschuk wusste sich auszuzeichnen, wehrte auch einen Aljoscha-Schmidt-Siebenmeter ab (51.). Die Gäste wirkten ratlos und konsterniert. Einzig Christoph Steinert wusste sich noch erfolgreich in Szene zu setzen. Eryk Kaluzinski erhöhte auf 28:23 (52.) und blieb wenig später umjubelter Bodenkampfsieger. Dass Benjamin Trautvetter einen Siebenmeter nicht an GWD-Keeper Anders Martin Persson vorbeibrachte (54.) blieb schließlich nur eine Randnotiz. Der schnelle Girts Lilienfelds klärte per Doppelpack alles (30:24, 57.) Dalibor Doder hatte dem nur noch einen Verzweiflungswurf ans Eisenacher Holz entgegenzusetzen (57.). Da feierte die Eisenascher Anhängerschar bereits mit stehenden Ovationen ihre blau-weißen Lieblinge…..
Mit diesem Sieg kletterten die Wartburgstädter auf einen einstelligen Tabellenplatz.

Zwei Auswärtsspiele in Folge

Für den ThSV Eisenach gilt es in den nun anstehenden zwei Auswärtsspielen (Neuhausen, Schwerin), diese Stabilität auch in fremden Hallen nachzuweisen.

Statistik

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (5/1), Sklenak (5), Wöhler (2), Miljak (5), Kaluzinski (5), Adams, Schiffner, Heinemann (5/1), Lilienfelds (5), Koloper, Lindner

GWD Minden: Vortmann, Persson; Andersson (1), Oevermann, Bartsch, Steinert (3), Helmdach, Südmeier, Tesch, Schmidt (6/2), Svitlica (5), Doder (7), Klesniks (3), Bilbija (2)

Siebenmeter: ThSV Eisenach 3/2
GWD Minden 3/2

Zeitstrafen: ThSV Eisenach 4 x 2 Min.
GWD Minden 8 x 2 Min, Rot nach 3. ZS für Tesch (35.) und Andersson (54.)

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff

Zuschauer: 1920

Beste Spieler: Eisenach: Miljak, Sklenak, Heinemann
Minden: Steinert

Spielfilm: 3:5 (12.), 6:5 (17.), 7:8 (21.), 12:9 (30.), 14:11 (35.), 17:16 (40.), 21:21 (46.), 24:21 (48.), 28:23 (52.), 31:24 (57.), 32:27 (60.)


Zusätzliche statistische Angaben
Siebenmeter
ThSV Eisenach: Trautvetter und Heinemann verwandeln je 1 Mal gegen Vortmann;
Trautvetter scheitert 1 Mal an Persson
GWD Minden: Schmidt verwandelt 2 Mal gegen Musil und scheitert 1 Mal an Gorobtschuk
Zeitstrafen
Eisenach: Wöhler 2 x 2 Min,. Miljak, Kaluzinski je 2 Min.
Minden: Tesch und Andersson je 3 x 2 Min.; Schmidt, Bilbija je 2 Min.

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